Die Ausdehnung von Arbeit

Am Anfang klang es noch nach einer guten Idee.

Damit mein Umzug reibungslos über die Bühne geht, hatte ich mir für die Woche vor dem Umzug und die nachfolgende Woche extra Urlaub genommen. Dabei hätte es mir eigentlich zu denken geben können, als ich einer Freundin davon erzählte und sie mich sichtlich überrascht fragte, was in mit der ganzen Zeit zu tun vorhätte – soviel konnte doch schließlich gar nicht einzupacken sein. Im Grunde hätte sie damit Recht haben und ich vor meinem Umzug ein paar entspannte Tage verbringen können … wenn bloß das Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Stattdessen wurde es in den letzten Tagen vor meinem Umzug auf einmal ziemlich hektisch.

Was war passiert?

Tja, da kann ich nur etwas verlegen mit einer Gegenfrage antworten: wusstet ihr, dass Arbeit sich ausdehnt?

„Work expands so as to fill the time available for its completion“ –C. Northcote Parkinson

Der Historiker und Autor C. Northcote Parkinson hat den mittlerweile doch recht berühmten Ausspruch geprägt. Damit eröffnete er seinerzeit im Economist einen humorvollen Seitenhieb gegen die britische Bürokratie und fasste ziemlich pointiert zusammen, was wir eigentlich alle wissen und was uns dennoch manchmal ziemlich kalt erwischt. In der Praxis können wir diesen Effekt nämlich immer wieder in Aktion sehen – und das nicht nur bei Menschen mit der gleichen ausgeprägten Neigung zur Aufschiebereitis wie ich sie manchmal an den Tag lege.

Wir begegnen dem Effekt beispielsweise bei der Arbeit, wo sich längst nicht jede Projektverzögerung mit dem unterschätzten Aufwand erklären lässt. Manchmal bleibt die Aufgabe auch einfach nur so lange liegen bis sie keinen Aufschub mehr duldet. Manchmal spielt die irrige Annahme eine Rolle, dass mehr Arbeit investieren auch automatisch zu einem besseren Ergebnis führt – was hin und wieder als „Schleifchen dran machen“ bezeichnet und mit einem ironischen Unterton unterlegt wird. Und dann widerrum gibt es noch die Fälle, in denen zusätzlich zur eigentlichen Aufgabe immer weitere Aufgaben dazu genommen werden.

Warum auch nicht? Wenn man doch schon mal dabei ist?!

Ich hatte jedenfalls, bei meinem Versuch besonders smart zu sein und dem Stress auszuweichen, versagt: der Turm noch zu erledigender Aufgaben hatte gemeinsam mit meinem Stresspegel etwa drei Tage vor dem Umzug seinen Höchststand erreicht. In den Wochen davor hatte ich zwar wie ursprünglich vorgenommen immer mal wieder ein bisschen gemacht, aber den Großteil hatte ich eben doch in die Umzugswoche geschoben und selbst in dieser ging ich die Dinge eher gemächlich an.

Drei Tage vor dem eigentlichen Umzug stand ich nun in meiner Küche, hielt eine Rolle Klebeband in der Hand und dachte darüber nach, all meine Besitztümer in Flammen zu setzen.

Aber das ist eine Story für ein anderes Mal.


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