Gewohnheiten ändern: Das grundsätzliche Vorgehen

Im letzten Artikel hatte ich dargelegt, wie Gewohnheiten funktionieren und wieso schlechte Gewohnheiten auch in Unternehmen ein Problem sein können. Nur sind Gewohnheiten nicht per se schlecht. Der Schlüssel zur Veränderung (zum Besseren) liegt darin, die guten von den schlechten Gewohnheiten zu unterscheiden und den Augenmerk auf die Förderung von guten Gewohnheiten zu legen.

Die guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

Rauchen, das Prinzip des Lauteren, immer nur auf das Negative in Vorträgen achten: Schlechte Gewohnheiten zu erkennen und anzuklagen, das fällt den Meisten von uns sicherlich leicht und ich nehm’ mich da keineswegs aus.

Aber wie schaut es mit den guten Gewohnheiten aus?

Den Schlüssel immer an den gleichen Ort legen und zusammen mit dem Handy einzustecken, gute Ideen kritisch zu hinterfragen und Menschen auf ihre Schwächen hinzuweisen, in unüberschaubaren Situationen auch mal spontane Entscheidungen zu treffen: sind das gute Gewohnheiten?

Gewohnheiten sollten einen Zweck erfüllen

Die Antwort lautet: Kommt drauf an.

Wenn wir morgens vor einer verschlossenen Autotür stehen und „Verdammt, wie erreich ich jetzt meine Freundin, um an den Ersatzschlüssel zu kommen?“ denken, erkennen wir den Wert einer klitzekleinen Gewohnheit, auch wenn uns deren Existenz nicht einmal bewusst war.

Genauso kann es sich mit den von mir angebrachten Beispielen verhalten: Ein auf den ersten Blick eher negatives Feedback kann den Unterschied machen, ob ein unerfahrener Vortragender über sich hinaus wächst und darin immer besser wird. Und wenn keine Zeit für langes Überlegen bleibt, müssen Entscheidungen auch mal spontan und aus dem Bauch oder nach Schema F getroffen werden.

Der entscheidende Punkt ist, dass eine Gewohnheit immer noch einen Zweck erfüllt.

Wenn die Gewohnheit zum Selbstläufer wird (und aus Sicht der Wissenschaft ist das früher oder später mehr als wahrscheinlich) sollten wir uns hin- und wieder fragen, ob der Zweck noch immer die Routine rechtfertigt. Oder ob wir uns über neue Routinen Gedanken machen müssen.

Was genau gehört aber dazu, neue Gewohnheiten zu etablieren oder Bestehende zu verändern?

Von der Erkenntnis zur neuen Gewohnheit

Erster Schritt: Eine Entscheidung treffen

In einem meiner Lieblingsfilme wird einer der Protagonisten vor eine Wahl gestellt, die über sein weiteres Schicksal entscheidet: Nimmst du die blaue oder die rote Pille?

Und auch wenn Matrix nur ein Film ist und nicht jede Entscheidung so tiefgreifende Folgen hat, wie die Erkenntnis nur Teil eines Battery-Packs zur Versorgung einer künstlichen Intelligenz zu sein, führt uns diese Szene etwas vor Augen: Wir müssen hin- und wieder Entscheidungen treffen, wenn wir etwas ändern wollen.

Das ist mit Gewohnheiten nicht anders. Wir können feststellen, dass eine Gewohnheit existiert und entscheiden, dass sie einem Zweck dient, der aus unserer Sicht erstrebenswert ist. Andererseits können wir aber auch zum gegenteiligen Schluss gelangen. So oder so müssen wir uns mit dem Für und Wider beschäftigen und eine Entscheidung treffen.

Sonst geht der Änderungswillen beim erstbesten Hindernis in einer Rauchwolke auf. Egal, ob man als Individuum vom Rauchen loskommen oder als Unternehmen agiler werden will.

Zweiter Schritt: Bestehende Gewohnheiten verstehen

Der zweite Schritt besteht darin, die bestehenden Gewohnheiten zu verstehen: Welchem Zweck haben sie mal gedient? Was hält sie am leben? Was löst die Routine aus?

Wenn ich weiß, dass bestimmte Prozesse automatisch ablaufen, sobald ein bestimmter Auslösereiz auftritt, wird klar dass mir ein Wissen über diese Auslöser beim Verändern der Routine hilft. Allein das Verständnis führt mich zu neuen Handlungsoptionen, die mehr oder weniger erfolgversprechend sein können: etwa bestimmte Situationen anfangs zu meiden oder mich darauf einstellen und dann bewusst anders handeln.

Gleichermaßen gilt das für die Belohnung. Diese ist schließlich, was eine Gewohnheit aufrecht erhält und über das Prinzip der Verstärkung auch beim Etablieren neuer Gewohnheiten hilft. Nicht immer ist sie offensichtlich, deshalb können kleinere Verhaltensexperimente helfen, um zu ermitteln, was einem eine Routine tatsächlich gibt.

Dritter Schritt: Veränderung durch Tun

Letztlich kann Gewohnheit nur durch Einübung neuer Verhaltensweisen verändert werden. Das heißt Gewohnheiten werden nicht abgelegt, sondern durch neue Verhaltensweisen also Routinen geändert.

„Die Regel lautet: Wenn man den gleichen Auslösereiz benutzt und die gleiche Belohnung gewährt, kann man die Routine wechseln und die Gewohnheit ändern. (Charles Duhigg in „Die Macht der Gewohnheit“)

Wir sollten uns also überlegen, was wir stattdessen machen, wenn bestimmte Ereignisse eintreffen und diese neue Routine dann üben. Sogenannte Wenn-Dann-Pläne oder auch Implementation Intentions können helfen, es auch durchzuziehen. Mit einiger Zeit und regelmäßiger Wiederholung der neuen Verhaltensweisen wird eine Gewohnheit draus.

Wie lange der Prozess tatsächlich dauert, ist sehr individuell und die früher angenommenen 21 Tage haben sich als Mythos erwiesen. Die gute Nachricht ist: Wenn man hin- und wieder in alte Muster zurückfällt, ist das völlig unproblematisch.

In diesem Fall gilt: Einfach weiter machen.

Dieses Vorgehen eignet sich für die Änderung einzelner Gewohnheiten. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Erfolgserlebnisse eine große Rolle spielen und viele kleine Gewohnheitsänderungen vielversprechender als ein Big-Bang-Ansatz sein können, gerade im Hinblick auf Unternehmensroutinen. Damit wird sich der nächste Artikel beschäftigen.

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