Vom Wert Prozessregeln explizit zu machen

Für Manche scheint es bei agilen Methoden einen Widerspruch zu geben: Einerseits sagen wir, dass es wichtiger sei auf Veränderungen zu reagieren als einem Plan zu folgen, andererseits stellen wir verschiedene Regelwerke oder Working Agreements auf. Dabei geht es gar nicht darum ein Regelkorsett zu schüren, sondern Entscheidungen einfacher zu machen.

Jeden Tag müssen wir im Daily Business eine Vielzahl von Entscheidungen treffen:

  • Um welche Baustelle kümmere ich mich als Erstes?

  • Wie gehe ich an ein Problem heran, wie löse ich es, welche Qualitätsanforderungen muss ich erfüllen?

  • Will ich mich überhaupt mit dem Thema beschäftigen?

Und überhaupt: Nehm ich die blaue oder die rote Pille? Gibt es denn da keine lila-schwarz-gestreifte mit gelben Punkten?

Genau genommen kann ich die ganze Fülle an Entscheidungen, die jeder von uns tagtäglich treffen muss, gar nicht in erschöpfender Tiefe auflisten. Darum wäre es doch schön, wenn zumindest die Erwartungen, die von außen an mich gestellt werden und somit den Rahmen für meine Entscheidungen darstellen, klar wären.

Die Insel auf der wir leben

Mit außen meine ich hierbei nicht nur wirklich externe Faktoren wie Kundenanforderungen, Gesetze oder Wirtschaftlichkeitsanforderungen, sondern auch unsere Wünsche als Team und die Maßstäbe, die dabei jeder Einzelne anlegt.

In einem Buch habe ich zu diesem Thema kürzlich eine interessante Metapher gelesen: Symbolisch betrachtet leben wir alle auf einer Insel, die von unserem Erfahrungsbündel geprägt wird und sich ständig verändert. Schließlich lernen wir jeden Tag etwas dazu. Der springende Punkt ist nun:

Niemand kennt unsere Insel so gut wie wir selbst.

Wir können nicht davon ausgehen, dass jeder die ganzen Winkel kennt. Wenn wir wollen, dass sich ein Anderer auf dieser Insel zurechtfindet – sei es nur, damit dieser unsere Wünsche beachtet – müssen wir ihn rumführen und darüber aufklären.

Oder weniger metamophorisch gesprochen: Explizit machen, was in unserem Kopf vorgeht.

Qualität von Entscheidungen verbessern

Was wir bedenken müssen, ist Folgendes: Jede Entscheidung ist eine psychologische Hürde.

Wir wissen, dass unsere Entscheidungen Auswirkungen haben und stehen deshalb unter dem Druck, möglichst gute Entscheidungen zu treffen. Dabei sind wir darauf angewiesen, dass uns alle relevanten Informationen vorliegen und bewusst sind.

Darum besteht ein eigener Wert darin, für Alle geltende Regeln schriftlich festzuhalten und somit explizit zu machen. Einige Entscheidungen müssen dann gar nicht mehr getroffen werden.

Für die dann noch zu treffenden Entscheidungen bleibt mehr Zeit und Energie – und so kann man letztlich auch bessere Entscheidungen treffen.

Gemeinsame Entscheidungen treffen

Nun ist klar, dass einige Entscheidungen von außen kommen und nicht verhandelbar sind, andere aber schon. Letztgenannte Entscheidungen basieren beispielsweise auf den Qualitätsmaßstäben, die wir uns selbst auferlegen.

Für die gilt, dass man sie idealerweise gemeinsam trifft und sich dann darauf committed. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein gut gemeinter Rat oder eine Handlung nicht als Angriff empfunden wird.

Etwa, wenn man dem Kollegen auf der anderen Insel einen Hammer rüberwirft, weil man glaubt, dass ihm das beim Hüttenbau hilft.

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