Fehlerkultur: Aufstehen, Krone richten, weiter lernen

Wenn man mit Eifer an Projekten arbeitet und womöglich auch viel Herzblut in ein Projekt investiert, können die Emotionen schon mal überkochen. Sicherlich kann man das nicht ganz vermeiden und ein kurzer Ausbruch kann ja auch mal ganz reinigend sein. Dennoch denke ich, dass man langfristig darüber nachdenken sollte, wie es dazu kommt und ob man etwas tun kann, um zumindest die Häufigkeit zu verringern.

Der sicherlich beste Tipp wäre wohl, eine gewisse innerliche Distanz zu seiner Arbeit aufzubauen, aber das ist natürlich leichter gesagt als getan. Diese Empfehlung würde als Tipp auch etwas kurz greifen, weil an Projekten nun mal Menschen arbeiten und sich Gefühle nicht immer abstellen lassen.

Man kann aber analysieren, welche Faktoren zu einem Ausbruch beigetragen haben, und darüber nachdenken, an welchen Schrauben man für die Zukunft drehen kann. Eben ganz im Sinne von „Inspect & Adapt“ – was ja im Grunde eine der zentralen Ideen von agilen Methoden ist.

Fallbeispiel

Nehmen wir einmal ein abstraktes Fallbeispiel heran, um zu sehen, wie das aussehen könnte:

An einem Projekt arbeiten viele unterschiedliche Personen und investieren über einen längeren Zeitraum eine Menge Zeit und Energie. Sie wollen das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss bringen und das, obwohl es einige Faktoren gibt, die zu Frust führen. Solche Faktoren könnten zum Beispiel ein hoher Lernaufwand in kurzer Zeit, unzulängliche oder fehlerhafte Tools, Zeitdruck und Kommunikationsbarrieren sein. Schließlich steht ein wichtiger Termin ins Haus, man arbeitet mit Nachdruck darauf hin und dann geht etwas schief.

Umgang mit Fehlern

Nun wird natürlich nach Fehlern und Ursachen gesucht, man will das Projekt ja trotzdem noch erfolgreich abschließen. In gewisser Weise ist das auch konstruktiv, denn nur wenn man die Fehler findet, kann man sie auch beheben.

Aber wo Fehler sind, sind eben auch Menschen, die Fehler machen. Und weil bei großen Projekten in der Regel auch gewisse finanzielle Interessen im Spiel sind, beginnt schnell die Suche nach Schuldigen und der Versuch sich selbst abzusichern.

In den Sozialwissenschaften kennt man den Begriff Fehlerkultur, der im Grunde genau das (relativ wertneutral) bezeichnet: Wie wir auf Fehler reagieren. Langfristig wäre es sinnvoll, am Aufbau einer Fehlerkultur zu arbeiten, die mehr darauf abzielt Probleme zu beheben als Schuldige zu identifizieren.

Wege zu einer besseren Fehlerkultur

Ich denke, dass man bei sich selbst und seinem Team anfangen kann, an einer besseren Fehlerkultur zu arbeiten. Auch wenn es dafür natürlich kein Patentrezept gibt, könnte es hilfreich sein, sich ein paar Dinge zu vergegenwärtigen:

  • Fehler passieren, sind immer schon passiert und werden immer wieder passieren. Wir können das nicht vermeiden.

  • An Projekten arbeiten Menschen mit Bedürfnissen. Zu den Bedürfnissen der Menschen zählt auch der Wunsch nach Wertschätzung, Achtung und Wichtigkeit.

Was könnte man also konkret machen, um die Fehlerkultur zu verbessern:

  • Aktiv und regelmäßig nach Positivem an anderen Menschen suchen und es ihnen dann auch mal sagen / Lob aussprechen: Das wird manchmal seltsam sein, sowohl für den Gelobten als auch für den Lobenden. Tut aber mit Sicherheit Beiden gut.

  • Beim Finden eines Fehlers auch mal die eigene Wertung des Problems hinterfragen, bevor man den „Täter“ damit konfrontriert: Manchmal wird man dann entdecken, dass es die Energie für eine Konfrontation nicht lohnt, manchmal auch nicht.

  • Sich beim Ansprechen von Kritik überlegen, wie man das Problem anspricht, ohne wertend der Person gegenüber zu sein Denn ein Mensch ist weit mehr als die Summe seiner Fehler. Die meisten Menschen wollen ihre Arbeit gut machen (siehe oben: Wunsch nach Anerkennung) und fühlen sich dann angegriffen. Damit ist kein konstruktiver Dialog möglich.

  • Sich auf Gegenwind beim Anbringen von Kritik einstellen und sich bemühen zuzuhören: Vielleicht stellt sich ja raus, dass es gute Gründe für das gab, was man als Fehler betrachtet hat. Vielleicht merkt man ja, dass man seinem Gegenüber helfen könnte – zum Beispiel etwas Neues zu lernen.

Und wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?

Wenn es geht, sollte man versuchen Abstand zum Thema zu gewinnen. Vielleicht hilft es auch, gedanklich (oder womöglich auch schriftlich) die Fakten von den dadurch ausgelösten Gefühlen zu trennen.

Manchmal muss der Ärger aber auch einfach raus.

Wie schon gesagt: Ein Ausbruch kann auch eine reinigende Wirkung haben. Danach ist aber aufstehen, Krone richten und weiter lernen angesagt.

Ein Gedanke zu „Fehlerkultur: Aufstehen, Krone richten, weiter lernen

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