Theorie X und Y – Alles nur faule Esel oder was?

Eine Karotte pendelt vor sich hin.

Die Karotte pendelt vor sich hin, unweit von der Schnauze des faulen Esels: immer in der Nähe aber doch nicht wirklich erreichbar. Von der Aussicht auf eine köstliche Möhre motiviert scheint der Esel plötzlich gar nicht mehr so faul zu sein und trottet stetig vor sich hin: ein bisschen traurig zwar, weil der Weg zur Möhre so lang scheint, aber in der Hoffnung das Ziel irgendwann zu erreichen.

„Ich mach alles richtig“, denkt sich der Besitzer in Anbetracht des vor sich hin trottenden Esels.

Immerhin bewegt sich der Esel und dabei ist dieser – und daran besteht ja nun kein Zweifel – ein eher passives, fast schon faules Wesen. Jedes Kind weiß, dass der Esel wohl die meiste Zeit auf der faulen Haut läge, wenn man ihn nur ließe! Doch der Besitzer verhilft ihm mehr zu sein, versetzt ihn durch seine Motivationshilfe in Bewegung, lässt den Esel produktiv sein. All das mit der Aussicht auf eine Möhre … und indem er den Esel hin und wieder anhalten und fressen lässt.

Nur die Traurigkeit des Esels, die entgeht ihm.

Sind Menschen wie Esel?

Die meisten Menschen sind wie Esel.

Das jedenfalls meint der etwas untersetzte Mann mit den grau-mellierten Schläfen, der in seinem ledernen Sessel sitzt und von seinem Büro im obersten Stockwerk nicht nur den vollen Überblick sondern als Manager eines großen Unternehmens auch die Fäden fest in der Hand hat.

Natürlich weiß der Manager, dass Möhren für die Motivation seiner Mitarbeiter nicht genug sind.

Dass die Menschen aber motiviert und geführt werden müssen – daran besteht für ihn kein Zweifel. Auch glaubt er, dass die meisten Menschen sich vor Verantwortung scheuen und es ihnen an Ehrgeiz fehlt. Er sieht sich folglich in der Pflicht, den Mitarbeitern klare Vorgaben zu machen und deren Einhaltung streng zu kontrollieren. Dafür wird der Mitarbeiter entlohnt: in einer Art und Weise, die ihm das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Dem Mitarbeiter soll immer klar sein, dass diese Sicherheit an Bedingungen geknüpft ist: wer von den Vorgaben abweicht, muss mit Sanktionen rechnen – und im schlimmsten Fall dem Verlust der Arbeit bezieheungsweise der sicherheitgebenden Entlohnung.

Diese Kombination aus Sicherheit und Unsicherheit ist, womit der Manager seine „Esel“ motiviert.

… oder kann man sie zu Eseln machen?

Macht nicht vielleicht der Manager seine Mitarbeiter zu Eseln?

Diese Frage stellt sich ein Anderer und nimmt an, dass der Mensch im Allgemeinen sehr wohl leistungsbereit und von sich aus motiviert ist und es eigentlich gar keinen Grund für Zuckerbrot und Peitsche gibt, wenn man den Menschen nur Freiräume und Chancen einräumt und es im Unternehmen Ziele und Werte gibt, mit denen sich der Mitarbeiter identifizieren kann.

Wen wundert’s aber, wenn die oben beschriebene Umgebung eher hemmend wirkt?

Wenn einem verantwortungsbewussten, motivierten und engagierten Menschen mit Anweisungen und Kontrolle signalisiert wird, dass nur konformes Verhalten toleriert und belohnt wird, wieso sollte ein Mitarbeiter sich über das geforderte Maß hinaus einbringen? Die Folge von kleinteiligen Vorgaben und Kontrollen könnte sein, dass der Mitarbeiter am Ende ein bisschen wie der Esel agiert: zwar stetig vor sich hin trottend aber dabei ein bisschen traurig, weil der Dienst nach Vorschrift irgendwie nicht wirklich zum Haus am Meer (oder wovon auch immer man so träumt) führt.

Aber gegen Windmühlen kämpfen? Letztlich müssen wir mit endlichen Ressourcen haushalten, ob wir nun wollen oder nicht.

Welcher Gruppe gehörst du an?

Die von Douglas McGregor bereits 1960 geprägte XY-Theorie beschreibt diese zwei Menschenbilder: den grundsätzlich arbeitsscheuen Mensch einerseits (Theorie X) und den engagierten, leistungsbereiten Mensch andererseits (Theorie Y).

Oft wird in diesem Zusammenhang die Frage gestellt, welcher Gruppe man sich selbst und welcher Gruppe man seine Kollegen zuordnet.

Auch wenn die Reaktionen darauf regelmäßig verblüffend sind (in der Regel sehen die Meisten sich selbst als Y-Typen, andere aber eher als X-Menschen), finde ich diese Fragestellung nicht besonders hilfreich. Die Reaktionen mögen vielleicht entlarvend für die vorherrschende Denkweise sein, aber das hilft ja nun auch nicht wirklich weiter. Aus meiner Sicht sollten wir uns eine andere Frage stellen:

Was müssen wir tun, damit sich die Menschen nicht wie der Esel fühlen?


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