Fragile Development: Brauchen nur selbstorganisierte Teams Stabilität?

Kürzlich habe ich einen Vortrag namens „Fragile Development“ gehört, der dieses Jahr bei der FroSCon 2016 lief. Da hat der Redner ziemlich „strong“ dargelegt, wie wenig er von Scrum hält, und führte unter anderem die Selbstorganisation als Mangel von Scrum an. Schließlich funktioniere sowas nur in stabilen Teams. Warum dieses Argument (aus meiner Sicht) keines ist, versuche ich im Folgenden zu beleuchten.

Hast du schon mal in einem instabilen Team gearbeitet?

Beneidenswert ist der, der in einem Team arbeitet, das nie das Ausscheiden eines Team-Mitglieds miterlebt hat.

Denn diese Situation ist nicht unbedingt schön. Ich hab die Situation ein paar mal erlebt, obwohl ich die letzten 8 Jahre gerade nicht in einem instabilen Team arbeite, sondern das unglaubliche Glück habe, in einem Unternehmen mit einer (gefühlt) geringen Fluktuation zu arbeiten.

Bei jeder Änderung der Teamstruktur (auch Mitarbeiterzugängen) tritt das Team in eine durchaus spannende, aber eben oft auch stressige Phase der Neuorientierung ein. Dabei gibt es Chancen (etwa die Möglichkeit die ein oder anderen Gegebenheiten neu verhandeln zu können) und auch Reibungsverluste.

Schließlich gab es bis zu diesem Punkt eine gewisse Teamdynamik, die sich nun ändert. Und natürlich stellen sich auch ganz praktische Fragen. Etwa, ob man die Arbeitslast weiter gestuffed bekommt (beim Weggang vom Kollegen) oder wie man neue Kollegen möglichst schnell eingearbeitet bekommt.

Und last but not least: Manchmal sind die Teammitglieder auch einfach traurig, wenn ein Kollege geht.

Teams brauchen Stabilität (eigentlich)

Das Ding ist: Ob Scrum oder nicht – eigentlich brauchen Teams eine gewisse Stabilität.

Denn Teambildung ist ein Prozess und eine elementare Voraussetzung dafür, dass Teams effektiv arbeiten können. Aber dieser Prozess braucht nun mal Zeit und jede Änderung an der Teamstruktur führt dazu, dass die verschiedenen Phasen der Teambildung neu durchlaufen werden.

Eine gute Führungskraft kann sicherlich eine Menge dazu beitragen, dass die Teambildung effektiv verläuft. Nur ist die Team-Performance nicht automatisch durch das Vorhandensein einer bestimmten Rolle gewährleistet, die sich Aufgabenorganisation auf die Fahne geschrieben hat.

Argument für ein erstrebenswertes Arbeitsumfeld

Fehlende Teamstabilität als Argument gegen eine bestimmte Methode (in diesem Fall Scrum) erscheint mir folglich extrem kurzgegriffen.

Viel mehr ist es ein Argument für das Schaffen eines Arbeitsumfelds, in dem die Leute länger als ein paar Monate arbeiten wollen. Denn eine hohe Fluktuationsrate mag in vielen IT-Unternehmen zwar die Regel sein, aber das ist das genaue Gegenteil eines erstrebenswerten Zustands.

Zumal: Wer kann schon versichern, dass die nächste Person nicht die Führungskraft ist, die alles zusammen hält?

Wer sich für den Vortrag selbst interessiert, der ist zum Beispiel hier einsehbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.