Steuerung. Alt. Entfernen.

Irgendwann einmal wurde ich Teil eines Teams.

Obwohl die Bildung von Teams oft mit der Bildung einer Arbeitsgruppe gleichgesetzt wird, ist das nicht wirklich dasselbe. Am Anfang der Teambildung gibt es nur eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam arbeiten sollen.

Wie ich Teil eines Teams wurde

So war es bei mir, als mich der damalige Projektleiter einspannte, um mit anderen Mitarbeitern an Projekten zu arbeiten. Schon war ich Teil einer Gruppe, die die ein oder andere Änderungen durchlief, bis eine Zusammenstellung etwas länger Bestand haben sollte.

Anfangs kennt man sich kaum. Alle Mitglieder haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede, aber von diesen weiß man zunächst nicht viel. Wie sind die anderen so? Sind sie nett oder professionell? Was können die so? Womit beschäftigen sich in ihrer Freizeit? Was haben sie für Hobbies?

Mit der Zeit lernt man einander kennen, erfährt wie die anderen so drauf sind, wie sie ihre Arbeit erledigen, wie sie Probleme lösen und mit Stress umgehen.

Einer meiner Kollegen wirkte anfangs wie ein sprechendes Lexikon auf mich: schnell sprechend, viel sprechend. Aber ich merkte schnell, dass er ein netter Kerl ist, als wir rauchend und fachsimpelnd auf dem Raucherbalkon standen, zu dem man durch ein Büro gelangte, das lange Zeit Puma-Käfig genannt wurde. An manchen Tagen rauchten wir Beide, hin- und wieder schnorrte er bei mir oder ich bei ihm eine Zigarette. An manchen Tagen hatte er gerade mal wieder aufgehört. Irgendwann hatten wir beide aufgehört. Einmal hatten wir zusammen mit anderen Leuten einen feucht-fröhlichen Abend im Irish Pub mit viel Rum.

Ein anderer Kollege hat nie geraucht oder Alkohol getrunken (soweit ich weiß). Dafür brachte er uns den agilen Methoden näher und strahlte eine gewisse Ruhe und Zuversicht aus, die mir selbst und Anderen manchmal fehlten. Dieser Kollege wurde Projektleiter und half der Gruppe, auch bei rauer See mit unserem Projektschiff auf Kurs zu bleiben.

Wieder ein anderer Kollege kam irgendwann später zum Team und fiel als fachlicher Überflieger auf, der sich schnell einen Namen in der Firma machte. Er sagte in Telkos sowas wie “Das ist aber schon ein bisschen wichtig” und wurde schnell zum Auf-allen-Hochzeiten-Kollege. Irgendwann trafen wir uns hin- und wieder zum Bier trinken, quatschten über die Dinge die gut oder weniger gut liefen und machten uns zusammen Gedanken wie man Dinge verbessern könnte.

Teambildung passiert schleichend

Einmal grillten wir bei ihm im Garten. Das war zu der Zeit, als der Projektleiter gerade zu neuen Gewässern aufbrach. Das war eine Zeit, in der sich einiges für die Gruppe änderte. Auch für mich. Nicht unbedingt eine einfache Zeit – weil wir zu diesem Zeitpunkt längst ein Team waren und dieses Ereignis die Dynamik änderte, aber auch eine spannende Zeit.

Alles in Allem kamen wir damit klar, denn wir waren ja jetzt schon länger ein Team.

Irgendwann war das einfach so passiert, trotz der Unterschiede, trotz der Konflikte und obwohl manche Gemeinsamkeiten auch für Reibungen sorgen können. Viele von uns waren hin- und wieder auf ganz unterschiedliche Art schwierig, aber trotzdem zogen wir an einem Strang, meisterten Projekte, meisterten den Umbruch. Sicherlich haben wir dabei einiges gelernt, sind an unseren Aufgaben gewachsen.

Aber manch Gutes findet hin- und wieder ein Ende.

Manchmal ändern sich die Gegebenheiten. Manchmal müssen die Leute zu neuen Ufern aufbrechen, was Neues ausprobieren, einen Ortswechsel wagen – Teammitglieder gehen, neue Teammitglieder kommen. Das ist der natürliche Lauf der Dinge.

Damit ändert sich einiges. Für die Kollegen, die den Hut nehmen, genau wie für die bleibenden Teammitglieder. Wahrscheinlich wird es nicht immer und nicht für jeden einfach sein. Doch in jedem Ende steckt auch ein Neuanfang – eine Chance sich weiter zu entwickeln, neue Ufer zu erschließen und ein neues, verändertes Team zu bilden.

Das Beste an Teambildung ist, wenn Kollegen zu Freunden werden. Und Freunde kann man immer noch hin- und wieder auf ein Bier, zum Fachsimpeln oder zum Grillen treffen. Hin- und wieder wird man in die Liste mit den Zitaten der Kollegen gucken und lachen. War auf jeden Fall cool mit euch. Ich hab gerne mit euch gearbeitet und dabei auch einiges von euch gelernt. Danke dafür. Wir haben auch einiges bewegt und angestoßen.

Und wir im verbleibenden Team … rebooten den Boardcomputer einfach und helfen neuen Kollegen beim Boarding. Wir wuppen das schon.

2 Gedanken zu „Steuerung. Alt. Entfernen.

  • 19. April 2017 um 12:02
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    So ganz hab ich den Unterschied der in diesem Artikel zwischen Arbeitsgruppe und Team gemacht wird noch nicht verstanden, um ehrlich zu sein. Soll das bedeuten, dass ein Team mehr ist, als ‚bloß‘ eine Arbeitsgruppe, da in diesem Umfeld Freundschaften entstehen können? Ist das Team also ein Upgrade der Arbeitsruppe?

    Über die philosophischen Ungereimtheiten hinaus, muss ich Recht geben: Ein gutes Team wächst erst im Laufe der Zeit zusammen – indem man sich aufeinander einlässt und die Stärken und Schwächen der Einzelnen kennen- und einzuschätzen lernt. Allerdings sind wir als Entwickler von Simulationen und Seminarformaten auch überzeugt davon, dass man bei dem Prozess gezielt nachhelfen kann. Sich selbst und das Team zu reflektieren kann Schwung in die Sache bringen, besonders wenn gerade jemand das Team verlässt, oder es Neuzuwachs gibt.

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  • 23. April 2017 um 13:33
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    Danke für deinen Kommentar.

    Ich denke schon, dass ein Team mehr ist als eine Arbeitsgruppe. Nicht unbedingt wegen der von mir beschriebenen Freundschaften in meinem Team: die sind ein zusätzlicher Bonus, der entstehen kann aber nicht zwingend muss.

    Der Unterschied ist, dass eine Arbeitsgruppe per Definition entsteht (wenn etwa in einem Unternehmen mehrere Individuen für ein gemeinsames Projekt eingeteilt werden), während sich daraus erst mit der Zeit (oder Unterstützung) ein effektiv zusammenarbeitendes Team ergibt. Der Unterschied dabei ist nicht nur die Stärken und Schwächen der Einzelnen kennen und einschätzen zu können, sondern dass man als Team daraus auch das Beste machen kann.

    Übrigens glaube ich auch, dass man dem Prozess gezielt nachhelfen kann, aber darum ging es in diesem Artikel nicht. Eher darum, dass sich in der Retrospektive der Zeitpunkt nicht mehr so genau ausmachen lässt, wann man das Gefühl hatte, nicht nur einer Gruppe von Individualisten sondern einem Team anzugehören.

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