Story of Dave: Von Wasserfällen und anderen Spektakeln

Softwareentwicklung und der spätere Betrieb hängen eng zusammen. Kann man trotzdem eine Software entwickeln und erst am Ende mit der Integration beginnen? Diese Artikelserie beleuchtet die fiktive Geschichte von Dave. Dave möchte einen Shop eröffnen und wagt einen Ritt auf einem Wasserfall.

Dave leitet ein Unternehmen und möchte seine Ware nun auch über das Internet verkaufen.

Zum Glück für Dave gibt es im Unternehmen eine Entwicklungsabteilung, die er mit dieser Aufgabe betrauen kann. Also holt er einen Projektleiter ins Boot, der sich von ihm die Anforderungen erläutern lässt und ihm dann das weitere Vorgehen erklärt. Im Anschluss an das Gespräch könne man direkt in die erste Phase übergehen, im Grunde sei man sogar schon mitten drin, meint der Projektleiter.

„Erste Phase? Wieviele Phasen gibt es denn?“, fragt Dave konsterniert. „Ich will doch nur auf die Lage am Markt reagieren!“

Der Projektleiter schüttelt den Kopf. Er fragt sich, wie oft er das Phasenmodell in seiner bisherigen Laufbahn wohl schon erklärt hat. Doch der Projektleiter ist geduldig und erklärt auch dieses Mal, welche Phasen das Projekt umfasst:

  1. Anforderungsanalyse und -spezifikation

  2. Erstellung eines Pflichtenhefts

  3. Designphase

Dave unterbricht den Projektleiter.

„Das sind jetzt schon drei Phasen!“, ruft er. „Und so wie ich das verstehe, hat noch niemand angefangen an meinem Shop zu arbeiten!“

Einen Penny für jedes Mal, wenn ich diese Aussage gehört habe, denkt der Projektleiter.

Natürlich habe man schon an seinem Shop gearbeitet, aber eben bisher nur auf dem Papier. Das sei nötig, um ein belastbares Konzept zu haben, das alle Eventualitäten berücksichtigt, und damit der Shop am Ende auch hält was er verspricht. Dave kann zu diesem Zeitpunkt nicht verstehen, was für Eventualitäten auftreten könnten. Kann doch nicht so schwer sein einen Online-Shop auf die Beine zu stellen. Aber da er sowas selbst noch nie gemacht hat, verlässt sich auf die Kompetenz des Projektleiters: Der weiß schon, was er tut.

Ungefähr Ein Jahr später ….

Etwas mehr als ein Jahr später ist die Software aus Sicht der Entwickler fertig. Bis dahin war es ein weiter Weg. Die Konzeptionsphase zog sich für Dave’s Geschmack viel zu lang und immer wenn er sich bei den Entwicklern oder beim Projektleiter nach dem aktuellen Stand erkundigte, erfuhr er von immer neuen Hindernissen. Immer war der zeitliche Ablauf in Gefahr und immer beteuerten Entwickler und der Projektleiter, dass man diese unmöglich im Vorfeld hätte bedenken können.

Dave sieht die fertige Software heute zum ersten Mal. Die Entwickler haben noch bis tief in die Nacht an einem frischen Testsystem gewerkelt, damit der Projektleiter ihm das Ergebnis stolz präsentieren kann.

„Alles sieht super aus und funktioniert wie es soll“, denkt Dave bei der Vorführung.

Hier und da hat er ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln: Die Farbe der Links oder die Position des Logos, aber nichts, was den Start des Shops verhindern müsste. Dave freut sich schon, bald die ersten Einnahmen aus Internet-Verkäufen zu verzeichnen.

Der Projektleiter erinnert an den Plan.

Als nächstes beginne nun die Integrationsphase. Die IT-Abteilung wird ins Boot geholt: Sie muss sich um Server kümmern, eine Domain registrieren, die Software darauf installieren und für die Tester zugänglich machen. Außerdem muss sie die nötigen Schritte unternehmen, damit die Software über eine zuvor definierte Schnittstelle an das Warenwirtschaftssystem gekoppelt werden kann.

Dave ist langsam ungeduldig. Er würde gerne mit der Vermarktung des Shops beginnen. Der Projektleiter zaudert, versichert aber: Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt.

„Wir haben bis hierhin zwar länger gebraucht als gedacht, aber der Rest der geht jetzt ganz schnell.“

Dave möchte einen Termin wissen, für den er die Eröffnung des Shops ankündigen kann. Der Projektleiter ist auf die Frage vorbereitet. Aus Erfahrung weiß er, dass in den letzten Phasen eben doch die ein oder anderen Fallstricke lauern. Doch er weiß auch, dass der Termin wichtig für das Unternehmen ist. Also nennt er Dave einen Termin, der zwar durchaus sportlich ist, von dem er aber glaubt, dass dieser doch realistisch zu schaffen sein sollte.

Ein paar Tage später verkündet eine Pressemitteilung: In 3 Monaten kann man die Waren von Dave’s Shop auch online erwerben …

Fortsetzung folgt …

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