Die Minimum Viable Strandbar

Wenn man mit agilen Methoden arbeitet, kommt man um ein Verständnis des Minimum Viable Products kaum herum. Der folgende Artikel handelt davon, was man von einer kleinen Strandbar auf Malle darüber lernen kann.

Vor zwei Jahren beim Strandurlaub auf Mallorca suchten meine Freundin und ich einen kleinen, idyllischen und touristisch weniger bekannten Strand auf.

Um den Strand zu erreichen, muss man zunächst mit dem Auto raus fahren, weit weg von den Bettenburgen und mitten im Nirgendwo am Straßenrand parken. Wer wagemutig ist und einen Achsbruch nicht fürchtet, kann auch den anschließenden, etwa drei Kilometer langen Schotterweg mit dem Auto befahren. Das ist immerhin ein Weg, den auch Einheimische mit Schrittgeschwindigkeit und größter Vorsicht befahren, weil die dortigen Schlaglöcher selbst bei leiderprobten Ruhrpottlern ein Gefühl von Stolz für den plötzlich äußerst zweckdienlich wirkenden Einsatz unserer KfZ-Steuergelder aufkommen lassen. Danach geht’s jedoch wirklich zu Fuß weiter.

Als nächstes passiert man nämlich ein Tor, das mit einer Gliederkette zusammengehalten wird und an dem ein Schild mit der Aufschrift „Privatgelände – Nicht betreten“ hängt und das direkt auf unwägbares Gelände zuführt, welches definitiv nur zu Fuß durchquert werden kann.

Wer bei Temperaturen um die 30 Grad anschließend Durst empfindet, ist für eine Erfrischung sicher dankbar. Umso erfreulicher, dass findige Einheimische eine Geschäftsidee hatten, die dem Minimum Viable Product durchaus ähnlich ist.

Was braucht es eurer Meinung nach für eine Strandbar?

Wer jetzt an eine Hütte, Tische und Stühle denkt oder gar an einen Kühlschrank oder andere elektrische Geräte … denkt definitiv zu groß.

Für eine vernünftige Hütte wäre an diesem Strand wahrscheinlich gar kein Platz und anders als die bei Besuchern sehr beliebte Slack-Line würde das vermutlich auch das wahrlich idyllische Bild zerstören, das dieser Strand in meinen Augen abgab.

Zwei Baumstämme, eine Sperrholzplatte darauf und ein paar Kühlboxen tun’s doch auch, oder?

Zugegebenermaßen weiß ich nicht, ob die Betreiber dieser kleinen, aber feinen Strandbar das Konzept eines Minimum Viable Product überhaupt kannten – und doch eignet sich das Beispiel, um genau darüber etwas zu lernen. Beim Minimum Viable Product geht es nämlich darum, eine Idee für ein Produkt genau soweit zu reduzieren, dass man in der Praxis testen kann, ob es funktioniert.

Ob sich das Geschäft für die Betreiber lohnte, ob sie also Gewinne damit erwirtschaften konnten, kann ich nicht beurteilen.

Sicher ist aber, dass sie mit dem Verkauf von gekühlten Getränken und mit Tomatensalat und Serrano-Schinken belegten Broten zumindest Umsatz erzielen konnten. Vielleicht ja genug, um rauszufinden, ob sich das zu einem gewinnbringenden Geschäft ausbauen ließe.

Und lecker war das Brot auch.

Worum es beim Minimum Viable Product geht

In agilen Methoden spielt das Konzept des MVP durchaus eine große Rolle.

Schließlich geht es bei Methoden wie Scrum, wo man in kurzen, oft zweiwöchigen Iterationen arbeitet, ja gerade darum frühzeitig und so oft wie möglich Feedback-Gelegenheiten zu generieren.

Scrum Teams deliver products iteratively and incrementally, maximizing opportunities for feedback. Incremental deliveries of “Done” product ensure a potentially useful version of working product is always available. (Zitat aus dem Scrum-Guide)

Nun bedeutet das nicht zwingend, dass ein Inkrement in Scrum in jedem Fall tatsächlich Umsatz generieren muss. Viel mehr soll vermieden werden, dass zu viel Zeit in ein Produkt gesteckt wird, das die Kunden vielleicht gar nicht wollen. Idealerweise indem man Feedback von (potenziellen) Early Adopters einholen kann.

Deshalb kann für so ein Minimum Viable Product schon eine Landingpage ausreichend sein, mit der man live gehen und Daten über Interessenten ermitteln kann. Ausgehend von diesem und allen weiteren Inkrementen kann das eigentliche Produkt weiterentwickelt oder eingestampft werden: agiles Risikomanagement sozusagen.

Schließlich besagt eines der agilen Prinzipien, das die Kunst die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren, es­sen­zi­ell sei.

Das diese Herangehensweise ganz eigene Herausforderungen an die eigentliche Umsetzung, in der Softwareentwicklung auch an die Architektur stellt, ist nochmal ein ganz eigenes Thema.

Am Verständnis für das Minimal Viable Product führt dabei wohl kein Weg vorbei.

Das Beitragsbild ist übrigens ausnahmsweise mal nicht von Pixabay, sondern ein mit meiner Handykamera aufgenommenes Bild von einem Teil des Weges. Vom Strand und der Strandbar hatten wir leider keines gemacht.

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