#agileruhr18: Den Chef einfach mal aus der Retro geworfen

Der erste Tag beim Agile.Ruhr Camp 2018 ist zu Ende und ich habe eine Menge Eindrücke mitgenommen … und in diesem Artikel möchte ich euch zunächst von einer der Sessions erzählen, die ich besonders spannend fand (weitere Artikel werden in den nächsten Tagen wahrscheinlich folgen).

Stellt euch einmal vor, ihr wärt der Geschäftsführer einer Agentur, die gerade den Weg zur agilen Transition angetreten hat, und möchtet mal in so eine Retrospektive reinschnuppern …

Und dann werdet ihr einfach rausgeworfen.

Das ist eine der ersten Erfahrungen, die Joachim Fischer, der Chef der 150 Mann starken Agentur Kontrast Communication Services, mit einer gar nicht mal so schmerzfreien agilen Transition gemacht hat.

Davon hat er in einer der ersten Sessions zusammen mit seiner HR-Mitarbeiterin Kristina Koppers erzählt und auch sonst einen recht offenen Einblick in die mit dem Prozess verbundenen Herausforderungen aber auch umgesetzten Veränderungen gegeben.

Die Session fand ich besonders spannend, weil es darin eben mal nicht um das allen hinlänglich bekannte Beispiel der Softwareschmiede ging und es damit auch ein wenig zum Thema eines meiner letzten Artikel (Meine und deine Realität) passte.

Das Spannende dabei?

Die Erkenntnis, dass sich bei den Problemen dann doch wieder sehr viel um viel allgemeinere, Menschen-bezogenere Themen wie Führung und den Umgang mit tiefgreifenderen Veränderungen als um Prozesse oder Methoden dreht.

Etwa das es sowohl bei den Kunden als auch bei den Mitarbeitern Menschen gibt, die mit agilem Arbeiten nichts anfangen können oder wollen, oder auch die Erkenntnis gerade als Führungskraft auf der C-Ebene eine Menge „aushalten“ lernen zu müssen: Mitarbeiter oder auch Kunden ziehen lassen zu müssen aber vor allem auch eine Menge Ungewissheit. So ist das Unternehmen zunächst mal in eine gewisse Schräglage geraten (die Session war mit den Worten „von Wasserfall zu agil und plötzlich defizitär“ angekündigt worden) und natürlich stellte sich für den Geschäftsführer einige Male die Frage, ob er wirklich die richtige Richtung eingeschlagen oder nicht doch besser zurückrudern sollte.

Plötzlich nicht mehr alle Fäden in der Hand

Das Beispiel von der Retrospektive, bei dem man als Chef sozusagen rausgeschmissen wird, mag dabei banal erscheinen … auch wenn es durchaus eine coole Geschichte abgibt. 😉

Tatsächlich dürfte es aber recht symbolisch sein. Denn aus einer Fäden haltenden Position (mit einer realen Fallhöhe!) die Kontrolle zu großen Teilen an seine Leute abgeben zu müssen (zumindest, wenn man das Geschaffene nicht torpedieren will) und einfach mal ihnen und dem Prozess zu vertrauen … ist schwierig. Allein Verantwortung zu teilen fällt vielen Menschen in Machtpositionen schwer. Aber es kann eben auch Potenziale freisetzen, wie es in anderen Konstellationen sehr wahrscheinlich nicht möglich wäre.

Letztlich sollte die Geschichte Mut machen: das Unternehmen befindet sich mittlerweile auf einem guten Weg, setzt unter anderem auf Scrum, Kanban und auch Peer Recruiting und der Geschäftsführer klang alles im Allem mit dem bisher Erreichten ziemlich zufrieden – von 20 Mal aussteigen wollen zu „Ja, geil“ war eine der Aussagen die ich mitgenommen habe.

Und es ist ja so: manchmal muss man seine Komfortzone verlassen und ein Wagnis eingehen – dabei kann Gutes entstehen und in jedem Fall lernt man etwas dazu.

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