Wie arbeiten wir am Besten?

In meinem Artikel „Fehler vermeiden oder aus Fehlern lernen?“ Ging es im weitesten Sinne um Fehlervermeidung. Heute geht es um die andere Seite der Medaille: was uns hilft, gute Ergebnisse zu erzielen.

Seien wir ehrlich: die besten Fehler sind die, die erst gar nicht gemacht werden.

Natürlich können und müssen wir uns deshalb mit Fehlervermeidung beschäftigen und wir müssen aus Fehlern lernen, wenn sie doch passieren. Denn an der Tatsache, dass Fehler dem übergeordneten Zweck im Weg stehen können und dass gewisse Gefahren möglichst schon im Vorfeld abgewendet werden sollten, ist letztlich nicht zu rütteln.

Was aber lässt uns zur Hochform auflaufen?

Nun ist Fehlervermeidung ja nur eine Seite der Medaille.

Persönlich finde ich die Frage interessanter, was uns denn eigentlich unsere Ziele erreichen lässt, welche Faktoren also im positiven Sinne dazu beitragen.

Da jeder Jeck anders ist, glaube ich nicht, darüber eine universelle Aussage treffen zu können und schildere daher nachfolgend Faktoren, die ich für mich wichtig finde.

Motivation und Zielsetzung

„Er hat stets lustlos seinen Job getan“, ist sicherlich keine Inschrift, die wir am Ende eines langen, ereignisreichen Lebens auf unserem Grabstein wissen wollen. Ich jedenfalls nicht.

Natürlich ist mir klar, dass Arbeit nicht immer Zuckerschlecken sein kann und das gewisse Jobs auch einfach getan werden müssen. Irgendeinen Grund braucht es aber, um uns in Bewegung zu versetzen und die schließlich dazu beitragen, dass wir auch dann am Ball bleiben, wenn die Arbeit gerade kein reiner Quell der Freude sind.

Ich beziehe aus vielen verschiedenen Quellen Motivation: aus der Möglichkeit etwas zu lernen, der Notwendigkeit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, dem Wunsch ein gutes Leben führen und vielleicht sogar daraus, meinen Lebensabend auf einer sonnigen Insel im Mittelmeer verbringen zu können. In meinem tiefsten Inneren bin ich aber vor allem ein Problemlöser.

Für Problemlöser wie mich ist es motivierend, wenn eine Aufgabe nicht einfach Routine ist. Nicht einfach nur auf einen Knopf drücken und das hundertmal, sondern analysieren, kreativ sein und vielleicht sogar etwas Neues erschaffen. Insofern ist nicht jedes Problem gleichermaßen geeignet, mich zu motivieren. So wird mir in den letzten Jahren immer klarer, dass gewisse Probleme meine Motivation eher hemmen, gar demotivierend auf mich wirken.

Dazu gehören beispielsweise mit bürokratischem Eifer und Vehemenz durchgesetzte Sicherheitsrichtlinien, die lang nicht mehr auf den Prüfstand gestellt und bei denen der eigentliche Zweck verloren gegangen oder zumindest in Frage gestellt ist: ganz allgemein Nebenschauplätze, die mit der eigentlichen Zielsetzung wenig gemein haben und dennoch meine Anstrengung erfordern.

Ein gutes Team

Eigentlich würde mich das zu einem weiteren Punkt führen, den Arbeitsbedingungen. Doch der Punkt erscheint mir wichtiger, sodass ich ihn vorziehe.

Darüber, was ein gutes Team ausmacht, gibt es verschiedene Standpunkte und Forschungen und ich habe selbst auf Faktoren wie psychologische Sicherheit, Stabilität oder auch Interdisziplinarität hingewiesen. Ich erkenne darin viel Wahres, aber für mich ist der entscheidende Punkt viel einfacher: die Chemie muss stimmen.

Ich bin kein glühender Verfechter davon, dass man mit Arbeitskollegen nach Feierabend zwingend noch Zeit verbringen muss. Wenn man jedoch mit Leuten in einem Team ist, mit denen man sich das vorstellen kann oder sogar will, hilft das meiner Erfahrung nach zu einer guten Zusammenarbeit. Der einzige Nachteil ist: wenn man doch mal getrennte Wege geht, fällt einem der Abschied vielleicht schwerer als einem lieb ist.

Neben der Chemie spielen für mich unterschiedliche Wissens- und Erfahrungshorizonte eine Rolle. Obwohl es zwischen den Leuten in einem guten Team sicher einige Gemeinsamkeiten gibt und geben sollte, braucht es auch Unterschiede für eine gewisse Meinungsvielfalt und um einander zu ergänzen.

Eine störungsarme und motivierende Arbeitsumgebung

Im Team arbeiten heißt nicht immer gleichzeitig und zusammen an etwas arbeiten.

Manchmal braucht man Zeit um für sich, ohne Unterbrechungen durch ein klingelndes Telefon oder hereinplatzende Projektleiter oder Kollegen, daran zu brüten wie eine Problemnuss geknackt werden kann. Für mich gehört das zu einer guten Arbeitsumgebung genauso dazu, wie hin- und wieder gemeinsam mit anderen an einem Problem arbeiten zu können oder auch mal mit Kollegen zu kickern oder in der Küche über völlig andere Themen zu schnacken.

Egal, ob wir nun eher für interdisziplinäre Teams oder spezialisierte Teams sind, muss das meiner Meinung nach auch über Teamgrenzen hinweg möglich sein. Selbst wenn das nicht der normale Modus Operandi ist. Auch über Teamgrenzen hinweg sollte für alle klar sein, was der gemeinsame Strang ist, an dem es zu ziehen gilt. Wir statt die – wie es Marcus Raitner in seinem Blog treffend auf den Punkt gebracht hat.

Das ist nicht immer einfach und ich muss mir da selbst hin- und wieder an die eigene Nase packen, aber es ist wichtig. Wir müssen gar keine Systemdenker sein, um das zu verstehen: wir sitzen im gleichen Boot, selbst wenn wir gerade nicht an den selben Themen oder Projekten arbeiten.

Last but not least gehören für mich dazu auch Gestaltungsmöglichkeiten. Insbesondere die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen, wo sie benötigt werden. Im krassen Gegensatz dazu stehen Richtlinien, die auf Vereinzelung und Abgrenzung setzen und damit Silo-Bildung, die heutzutage oft und völlig zu Recht kritisiert wird, erst begünstigt.

Wissen und Lernmöglichkeiten, Neues probieren

Unser Wissen, das wir gestern aufgebaut haben, hilft uns die Probleme von heute zu lösen. Für die Probleme von morgen reicht das nicht.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir uns trotz Tagesgeschäft mit neuen Themen beschäftigen, neues Wissen aufbauen und Altes auf den Prüfstand stellen, sowie neue Herangehensweisen ausprobieren können.

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ –Albert Einstein

Ich hatte schon erwähnt, dass die Möglichkeit etwas zu lernen für mich eine Motivationsquelle darstellt. Darüberhinaus sehe ich das als eine Notwendigkeit für gute Ergebnisse. Eben weil nichts beständiger ist als die Veränderung selbst.

Gute Werkzeuge und passende Methoden

Zuletzt tragen natürlich auch Werkzeuge und Methoden zum Erfolg bei.

In gutes Werkzeug investieren – völlig egal ob das für unser Tätigkeitsfeld nun ein Hammer, ein Stück Software oder vielleicht ein Rasenmäher ist – lohnt sich meiner Meinung nach immer. Ein gutes Werkzeug, das zu uns und unserem Tätigkeitsfeld passt, kann uns die Arbeit erleichtern und in manchen Fällen sogar abnehmen. Ein schlechtes Werkzeug kann die Arbeit ineffizient, aufwändig und frustrierend machen. Ich denke: wir sollten lieber smart als hart arbeiten.

Dabei ist aus meiner Sicht nicht allein der Funktionsumfang entscheidend, sondern auch wie der Einzelne damit klar kommt. Wir können natürlich jederzeit die Schuld beim Anwender suchen, wenn dieser mit dem Tool nicht klar kommt, aber an der grundlegenden Problematik ändert das nichts.

Bei den Methoden ist es noch ein wenig komplizierter: noch viel mehr kommt es hier darauf an, dass die Methode zu uns als Team passt und uns bei unseren Vorhaben unterstützt. Selbst wenn hundert Teams mit Scrum zum Erfolg gelangt sind, braucht es für ein anderes Team vielleicht Kanban oder auch nur gezielt eingesetzte Einzelmaßnahmen.

Die Methode muss nach den Bedürfnissen der Menschen und mit den Menschen ausgewählt werden – ein übergestülpter Prozess wird sich immer irgendwie „falsch“ anfühlen und das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück bleiben.

Und ihr so?

Das war meine Sicht der Dinge.

Mich würde eure Sicht der Dinge interessieren und deshalb würde ich mich über eure Kommentare – egal ob hier, bei Facebook, Twitter oder in euren eigenen Blogs – freuen.

Sofern ich Kenntnis über Blog-Beiträge erhalte, werde ich diese hier nach und nach verlinken (wenn auch vielleicht mit etwas Verzögerung, denn ich gönne mir jetzt erstmal Urlaub :).

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