Was ich aus der ScrumMaster-Zertifizierung gelernt habe

Heute habe ich meine Prüfung für die ScrumMaster-Zertifizierung abgelegt. Das erscheint mir ein guter Zeitpunkt für ein wenig Reflexion.

Ich hab vor der Zertifizierung gesagt, dass das Zertifikat keinen großen Wert hat und daran halte ich fest. Wer jetzt aufhört zu lesen, wird aber die zentrale Aussage meines Artikels nicht mitnehmen.

Selbststudium ganz nett, aber …

Bisher habe ich mich mit Scrum und agilen Methoden im Allgemeinen vor allem im Selbststudium und der Erprobung von Einzelmaßnahmen im Unternehmenskontext beschäftigt.

Dabei habe ich eine Menge gelernt, würde ich behaupten. Ich habe Bücher über Psychologie und Neurowissenschaften gelesen, genauso wie Bücher über lösungsorientiertes Coaching, agiles Testen und diverse Branchen-spezifischen Werke (etwa über Continuous Delivery, DevOps und Refactoring von Legacy-Code) unzählige Blog-Beiträge und natürlich auch den Scrum-Guide.

Die Prüfung zum ScrumMaster hätte ich höchstwahrscheinlich mit weniger Aufwand erreicht.

Dennoch bin ich froh, dass mein Arbeitgeber mir die Zertifizierung mit der entsprechenden Schulung beim ScrumTeam bezahlt hat und ich diesen Weg gegangen bin. Denn die Schulung hat sich für mich in mehrerlei Hinsicht gelohnt:

  1. Ich habe endlich ein unverzerrtes Bild von Scrum, ob und wenn ja wie der Prozess (unter geeigneten Bedingungen) funktionieren kann. Er kann – und das kann für alle Beteiligten (ja, auch die Entwickler!) von Vorteil sein, aber erfordert Arbeit und einen Lernprozess, der alles andere als leicht sein kann.

  2. Ich kenne die Grenzen von Scrum jetzt besser und weiß ungefähr, an welchen Schrauben man ungefähr drehen kann und wo man es besser bleiben lassen sollte, um bei einer Scrum-Einführung keinen Schaden (im Unternehmen) zur verursachen. Aber auch, dass manchmal Anpassungen auch nur stattfinden, weil man sich beim Duschen nicht nass machen will.

  3. Noch klarer als vorher ist mir: Ob agil funktioniert oder scheitert entscheidet vor allem das Management und dessen Verständnis von der Thematik. Denn es braucht Mut zu ein paar Änderungen und das richtige Maß an Unterstützung, sonst kann man Menschen nachhaltig desillusionieren.

  4. Die Schulung war ein beeindruckendes Beispiel, wie viel man in drei Tagen an Lerninhalten vermitteln kann. An manchen Tagen hat mir im positiven Sinne der Kopf geraucht, aber ich habe auch selten so konzentriert am Stück gelernt. Schade eigentlich, dass in Schulen nicht so gearbeitet wird – zumindest nicht, als ich noch zur Schule ging. Vielleicht verbreiten sich Ansätze wie eduScrum ja, das wäre wünschenswert.

Letztlich hat mich die Schulung persönlich weiter gebracht, denn ich weiß nun ungefähr wie und woran ich weiter arbeiten will, aber auch dass man manchmal einfach anfangen muss.

Und letztlich beinhaltet die Rolle des ScrumMasters und des Agile Coaches so oder so kontinuierliches Lernen.

Und die Prüfung?

Machen wir uns nichts vor: die Prüfung ist nicht anderes als eine Lernkontrolle für die Scrum-Grundlagen, auch wenn die ein oder andere schwierige Frage durchaus dabei ist. Man kann sie jedenfalls mit 100% schaffen, das kann ich euch versichern 😉

Der Weg dahin ist aber lohnenswert, jedenfalls mit so Dozenten wie Andrea Grass und Andreas Schliep. Aber natürlich sollte das Lernen da erst beginnen.

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