Agil geht nicht, weil: Der Endzeitpunkt des Projekts

Eine Aussage, die ich im Bezug auf agile Methoden schon oft gehört habe, geht wie folgt: Agil geht nicht, weil der Auftraggeber im Vorfeld wissen will, wann sein Projekt fertig ist.

„Aha“, denk ich mir dann meist, „Und ich möchte ein Einhorn.“

Fixe Endtermine sind wie Einhörner

Klar möchte der Auftraggeber das. Dummerweise kann ihm das aber niemand guten Gewissens versprechen. Und weil auch im nicht-agilen Projektmanagement (was auch immer das ist) nur mit Wasser gekocht wird, gibt es zwei Möglichkeiten wie das läuft:

  1. Der Projektendzeitpunkt verzögert sich. Mit Pech so stark, dass man in der Zeit einen kompletten Flughafen bauen könnte.

  2. Das Projekt ist so kalkuliert, dass man den Projektendzeitpunkt eigentlich nur mit sehr viel Pech (oder höchster Inkompetenz) verfehlen kann.

Der Auftraggeber erfährt also auch bei einer klassischen Herangehensweise nicht den genauen Fertigstellungszeitpunkt sondern eine ungefähre Näherung, die viel oder wenig abweichen kann. Wie groß die Abweichung ist, hängt stark vom Umfang der Planung und der Größe der Puffer ab.

Für die Projektplanung ist das ein ziemlicher Spagat und mündet praktisch immer in einem Kompromiss. Was in Ordnung ist, weil der Auftraggeber diesen in der Regel als Tribut an die Realität akzeptiert.

Was bedeutet eigentlich fertig?

Der eigentliche Clou ist: Was ist eigentlich wann fertig?

In der Regel verfolgt ein Projekt ja einen bestimmten Zweck, beispielsweise sowas wie: Inbetriebnahme einer Shop-Plattform. Mein Ziel in der Projektphase sollte sein, dieses so schnell wie möglich zu erreichen, weil das in der Regel der Punkt ist, ab dem sich die Umsetzung für den Auftraggeber auszahlt.

Weil ein Projekt auch Nebentätigkeiten umfasst, die zwar wichtig sind, aber für dieses eine Ziel nicht immer essenziell, kann dieser Zeitpunkt vom Projektendtermin abweichen. Was zum Vorteil des Auftraggebers wäre.

In dieser Hinsicht brillieren agile Methoden, weil sie darauf ausgelegt sind, von Anfang an auf den frühestmöglichen Zeitpunkt für dieses Ziel hinzuarbeiten. Ein Versprechen auf einen fixen Endzeitpunkt ist das nicht, das stimmt.

Aber im rechten Licht betrachtet ist auch in klassischen Methoden ein Einhorn manchmal nur ein Pferd mit aufgeklebtem Horn oder ein Motiv auf einem Pappbecher.

2 Gedanken zu „Agil geht nicht, weil: Der Endzeitpunkt des Projekts

  • 27. Januar 2017 um 6:34
    Permalink

    Das mit dem Einhorn ist ein schöner Vergleich. Nach meiner Betrachtung werden die meisten Projekte nicht „rechtzeit“ fertig.
    Gruß

    Antwort
  • 27. Januar 2017 um 13:18
    Permalink

    Ja, die Beobachtung habe ich auch gemacht.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.